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Titelmelodie:
Wird etwas gestohlen, an irgendeinem Ort,
dann muss man sich holen, unbedingt sofort.
Kalle Blomquist, den Meisterdetektiv
Kalle Blomquist, den Meisterdetektiv.
Alle Leute sprechen davon in jeder Stadt,
es gibt kein Verbrechen, das aufgeklärt nicht hat,
Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv
Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv.
Eilige Tritte auf Holz. Eine Tür öffnet und fällt laut in den Rahmen.
Kalle: Heh Anders. Was ist los?
Anders: Tach Kalle.
Kalle: Du bist gerannt?
Anders: Klar bin ich gerannt.
Kalle: Ist jemand hinter dir her?
Anders: Niemand, wieso? Ist was passiert?
Kalle: Bei mir nicht. Hier passiert nie was, das weisst du doch. Ja, wenn wir in London oder Chicago wären. Hier bin ich überflüssig. Diese Stadt braucht keinen Detektiv.
Anders: Du willst also noch immer Detektiv werden, Kalle?
Kalle: Was sonst?! Etwa Rosineneinpacker?!
Anders: Rosinen schmecken gar nicht schlecht.
Kalle: Du glaubst doch nicht etwa, dass ich bei meinem Alten im Laden stehe, Tüten drehe oder grüne Seifen oder Hefe abwiege. Nein. Ich werde Detektiv oder gar nichts.
Anders: Wollen wir'n Stück bummeln?
Kalle: Ja, komm. Immernoch besser als hier untätig herumzusitzen.
eiliges Getrampel auf Holz
Mutter Blomquist: Kalle. Vergiss nicht, dass du heute abend das Erbeerbeet giessen sollst.
Kalle: Nein, Mutter. Ich vergess es nicht. Und sowas nennt man Ferien.
Anders: Bitte deinen Alten um Bonbons.
Kalle: Vater, ich nehm ein paar von den Gestreiften. Gefäss klirrt zweimal
Vater Blomquist: Jajajaja, ist schon gut. Nimm dir soviel du willst, Kalle.
Türglöckchen klingt. Schritte auf Dielenboden. Türglöckchen klingt. Tür wird geschlossen
Erzähler: Kalle und Anders traten auf die Hauptstrasse hinaus, die träumend und im tiefsten Frieden in der Sommersonne lag. Die Kastanien bluehten. Es war kein lebendes Wesen zu sehen, ausser der graün Katze des Bäckers, die auf der Kante des Bürgersteiges sass und sich die Pfoten legte. Nicht das allergeübteste Detektivauge konnte etwas entdecken, was darauf hindeutete, dass ein Verbrechen begangen worden war. Es war wirklich ein hoffnungsloses Beginnen, in dieser Stadt Detektiv zu sein. Aber dann entdeckte Kalle etwas in Bäckermeisters Garten. Das Etwas war Bäckermeisters Eva-Lotte. Sie sass auf ihrer Schaukel in einem rot-kariertem Baumwollkleid. Sie schaukelte und sang dabei.
Vogelgezwitscher
Eva-Lotte: (singt) Es war einmal ein Mä-hedchen und die hiess Josefin, Josefinfinjosefin, Jooseefiin.
Kalle: Eva-Lotte.
Eva-Lotte: (singt) Das Einz'ge was sie ha-hatte, das war ne Nähmaschin', Nähmaschinchennähmaschin, Näähmaaschiin.
Kalle und Anders: Eva-Lotte.
Eva-Lotte: Ach, ihr seid es.
Kalle: Eva-Lotte, willst du mit uns ein bisschen in die Stadt gehen?
Eva-Lotte: Kann ich machen.
Anders: Dann komm.
Kalle: Halt! Wartet!
Anders: Warum?
Kalle: Seht ihr den Mann dort mit dem Sack?
Anders: Was ist mit ihm?
Kalle: Nimm mal an, dass er den ganzen Sack voll mit gestohlenem Silber hat.
Eva-Lotte: Den kenn ich, der macht sowas nicht.
Kalle: Ein Detektiv darf keinem traün.
Anders: Du Kalle. Nimm mal an, dass du eines schönes Tages überschnappst mit all deinen Detektivgeschichten.
Eva-Lotte: (lacht kurz)
Anders: Bei uns gibt es keine Verbrecher. Dafür sorgt Schutzmann Björk.
Pfeife eines Zuges. Dampfgeräusche.
Kalle: Jetzt kommt der 6 Uhr Zug.
Eva-Lotte: Was machen wir nun?
Kalle: Ich weiss, was wir machen.
Anders: Und was ist das?
Kalle: Wir kriechen hinter die Fliederhecke in Eva-Lottes Garten und legen ein Paket mit einer Schnur dran auf die Strasse raus.
Eva-Lotte: Und dann?
Kalle: Wenn jemand kommt und das Paket nehmen will, ziehen wir an der Schnur. Mal sehen, was die für Gesichter machen.
Anders: Ja, das ist eine ganz passende Beschäftigung für einen Samstagabend. Alle drei lachen kurz
Erzähler: Das Paket war schnell zurecht gemacht. Alles was man brauchte, gab es in Viktor Blomquists Lebensmittelgeschäft. Als das Paket auf dem Pflaster lag, sah es sehr inhaltsreich und verlockend aus. Die Schnur, die hinter die Fliederhecke führte, war auf dem ersten Blick nicht leicht zu entdecken. Das erste Opfer war Frau Apfelzweig, die sich neugierig über das Paket beugte und in einen Schwall von Worten ausbrach, als das Paket plötzlich hinter der Fliederhecke verschwand. Kalle, Anders und Eva-Lotte kicherten und Frau Apfelzweig ging brummend davon. Das zweite Mal verlief die Sache nicht so erfolgreich.
Vogelgezwitscher
Kalle: Zieh. Warum ziehst du nicht?
Anders: Ich zieh ja.
Kalle: Das Paket bewegt sich aber nicht.
Eva-Lotte: Der Mann hat seinen Fuss drauf gestellt.
Anders: Der hat die Schnur gesehen.
Eva-Lotte: Kennt ihr den Mann?
Anders: Der ist nicht von hier. Das ist ein Fremder.
Kalle: Natürlich ist das ein Fremder. Das sieht man doch auf den ersten Blick.
Anders: So? Und woran erkennt man das?
Kalle: An dem Koffer! Bestimmt ist er mit dem 6 Uhr Zug gekommen.
Anders: Kannst du uns auch sagen, was er hier sucht?
Kalle: Nein, aber wir werden es gleich erfahren. Kommt!
Einar: Aaah, da kommen ja die Uebeltäter. Zwei junge Herren und eine schöne junge Dame. Darf ich erfahren wie du heisst?
Eva-Lotte: Eva-Lotte Lisander.
Einar: Das habe ich mir doch gedacht. Wir sind nämlich alte Bekannte. Du wirst dich allerdings nicht an mich erinnern.
Eva-Lotte: Nicht, dass ich wüsste.
Einar: Du lagst noch in der Wiege und hast den ganzen Tag geschriehn.
Eva-Lotte: Wer sind sie denn?
Einar: Wer ich bin? Onkel Einar bin ich. Ein Vetter deiner Mutter, meine schöne junge Dame. Wie heissen deine beiden Kavaliere?
Eva-Lotte: Das sind Anders und Kalle.
Einar: Nette Jungen. Aber heirate sie nicht, heirate lieber mich! (lacht lauthals) Ich werde ein Schloss für dich baün, wo du den ganzen Tag umherlaufen und spielen kannst.
Eva-Lotte: Sie sind ja viel zu alt für mich!
Anders: Was der sich einbildet?!
Kalle: Personalbeschreibung: braunes Haar, braune Augen, grade Nase, leicht vorstehende Zähne, kräftiges Kinn.
Anders: Was soll der Quatsch, Kalle?!
Kalle: Erste Regel für einen Detektiv. Man muss sich das Aussehen aller Menschen merken, die einem begegnen.
Anders: Nein, nur das der Verbrecher!
Kalle: Wer sagt, dass es keiner ist?
Anders: Hast du nicht gehört? Es ist Eva-Lottes Onkel.
Kalle: ...nennt sich Onkel Einar, trägt einen graün Anzug, keinen Hut und einen braunen Reisekoffer.
Anders: Bist du endlich fertig?
Kalle: Ja, das ist alles. Nein! Beinah hätt' ich etwas vergessen. Die kleine, rote Narbe auf der rechten Wange.
Einar: Ist deine Mutter zu Hause, Jungfer Naseweis?
Eva-Lotte: Ja, da kommt sie.
Einar: Liebe Cousine, hab ich das Vergnügen, wiedererkannt zu werden.
Frau Lisander: Einar! Bist du es wirklich? Es ist weiss Gott eine Weile her, seit man dich gesehen hat. Wo kommst du her?
Einar: Vom Mond, um euch in eurem ruhigen Winkel etwas aufzuheitern.
Frau Lisander lacht im Hintergrund.
Eva-Lotte: Er kommt gar nicht vom Mond. Er ist mit dem 6 Uhr Zug gekommen.
Frau Lisander: Noch immer der gleiche alte Spassmacher. Warum hast du nicht geschrieben, dass du kommen willst.
Einar: Nein, kleine Cousine, schreibe niemals etwas, was du persönlich ausrichten kannst. Das ist mein Wahlspruch. Du weisst, ich bin einer von denen, die tun, was ihnen gerade einfällt. Und mir viel plötzlich ein, dass ich eine ungewöhnlich nette Cousine habe, die in einer ungewöhnlich netten, kleinen Stadt wohnt. Und da ich eine Zeit lang Ferien machen möchte also, kurz und gut, willst du mich aufnehmen?
Frau Lisander: Natürlich. Natürlich bist du bei mir willkommen. Du kannst im Giebelzimmer wohnen. Wie lange hast du Ferien?
Einar: Das ist noch nicht bestimmt. Offen gesagt, ich habe die Absicht, mit meiner Firma Schluss zu machen. Es ist möglich, dass ich ins Ausland gehe. In diesem Land hat meine keine Zukunft.
Eva-Lotte: (ärgerlich) Das ist nicht wahr!
Einar: Wie du gewachsen bist, kleine Eva-Lotte. (lacht lauthals)
Frau Lisander: Komm ins Haus. Ich zeige dir dein Zimmer. Die Jungen können deinen Koffer tragen.
Einar: Nee, nee! Den trag' ich lieber selbst!
Musik
Erzähler: In dieser Nacht wurde Kalle durch eine Mücke geweckt, die ihn gestochen hatte. Und da er nun ohnehin wach war, hielt er es für klug, nachzusehen, ob vielleicht einige Schurken und Banditen ihr verbrecherisches Spiel in der Nähe trieben. Zürst sah er durch das Fenster auf die Hauptstrasse hinaus. Da war alles öde und leer. Dann ging er ans andere Fenster und guckte durch die Gardine in Bäckermeisters Garten. Das Haus lag dunkel und schlafend zwischen bluehenden Apfelbäumen. Nur im Giebelzimmer war Licht. Gegen die Rollgardine zeichnete sich der dunkle Schatten eines Mannes ab. Das war Onkel Einar, der ruhelos hin und her wanderte, ohne Unterbrechung. Warum er das wohl tat? Kalle fand dafür keine Erklärung. Schon um acht am Montag Morgen holte Anders Kalle ab. Ein neür, herrlicher Ferientag lag vor ihnen. Ohne Schule und ohne andere Pflichten. Gemeinsam liefen sie zu Bäckermeisters hinüber und Anders liess einen neün Pfiff ertönen, in der Hoffnung, dass es Eva-Lotte drinnen hören würde. Das tat sie auch. Sie kam heraus. Aber zwei Schritte hinter ihr kam Onkel Einar.
Einar: Darf der kleine, artige Junge hier auch mitspielen? (lacht lauthals)
Anders: Was denn?
Einar: Na, Ausreisser und Einfänger zum Beispiel.
Eva-Lotte: Pah.
Einar: Oder wollen wir zur Schlossruine gehen? Die ist wohl noch immer da?!
Kalle: Schön. Gehen wir zur Schlossruine.
Einar: Hmhmmm, und ich gehe voran. Ihr folgt mir. Am besten, wir singen ein Lied, dann gehts nochmal so gut. (brummt ein Lied)
Anders: Ich hätte Lust, ihm eine Klapper zu geben. Dann könnte er irgendwo für sich alleine sitzen und damit spielen.
Kalle: Und du glaubst, dass er das tün würde? Nee, du. Wenn erwachsene Leute sich vornehmen mit Kindern zu spielen, dann kann sie nichts daran hindern. Merk dir das.
Eva-Lotte: Sie sind vergnügungssüchtig, das ist es. Aber da er Mutters Vetter ist, müssen wir wohl versuchen, ein bisschen mit ihm zu spielen, sonst wird er bloss ärgerlich. Also kommt.
Anders: Aber das wird langweilig werden, wenn er furchtbar lange Ferien hat.
Eva-Lotte: Ach, er reist sicher bald ins Ausland. Du hast ja gehört, was er gesagt hat. In diesem Land hier kann man es nicht aushalten.
Kalle: Ich werde ihm keine Träne nachweinen.
Musik
Erzähler: Die Schlossruine war die grösste Sehenswürdigkeit der Stadt, die sich alle Touristen ansahen. Sie lag auf einer Höhe und schaute auf die kleine Stadt hinunter. Ein mächtiger Herr hatte einmal in früheren Zeiten dieses Schloss gebaut, und nach und nach war in dessen Nähe eine Stadt entstanden. Die kleine Stadt bluehte und gedieh, aber von dem früheren Schloss war nur noch eine schöne Ruine übrig. Man konnte in den alten Säälen versteck spielen oder auch die Burg gegen anstürmende Feinde verteidigen. Kalle und Anders hatten das schon oft getan. Rings um die Ruine bluehte es in dichten Büchen. Die Hummeln summten, die Luft zitterte in der Wärme, aber drinnen in der Ruine war es kühl.
Anders: Schade, dass man nicht runter in das Kellergeschoss gehen kann.
Einar: Warum kann man das nicht?
Kalle: Sie haben eine dicke Tür davor gesetzt. Und die ist verschlossen.
Anders: Früher sind die Leute da unten hingefallen und haben sich die Beine gebrochen. Ein Kind hätte sich beinahe verlaufen, deshalb darf jetzt niemand mehr runter.
Einar: Wollt ihr gern hinunter gehen?
Eva-Lotte: Wie soll denn das zugehen?
Ein Schlüsselbund klirrt. Ein Tür knarrt.
Einar: So!
Kalle: Wie hast du das gemacht, Onkel Einar?
Einar: Damit!
Kalle: Ist das... ist das ein Dietrich?
Einar: Richtig geraten.
Kalle: Warum hast du einen Dietrich?
Einar: Weil ich geschlossene Türen nicht liebe.
Eva-Lotte: Wollen wir nicht endlich runter gehen? gehen die Stufen hinab
Anders: Ja, kommt!
Die Stimmen der Personen hallen im Kellergeschoss wieder.
Eva-Lotte: Uuaaa, ich hoffe, dass es hier nicht spukt.
Einar: Sei nicht allzu sicher. Denk bloss, wenn ein altes, bemoostes Gespenst kommt und dich kneift. So zum Beispiel!
Eva-Lotte: Auu!
Einar: (lacht lauthals) laut hallende Schritte
Anders: Stell dir vor, Kalle, wenn man hier so oft sein könnte, wie man will.
Kalle: Ein grossartiges Versteck.
Anders: Hier könnten sie einen zwei Wochen lang suchen, ohne soviel wie eine Feder zu entdecken.
Kalle: Stimmt. Wenn man etwas ausgefressen hätte und sich verstecken müsste, dann wäre man in so einer Gefängnishöhle sicher.
Einar: Meinst du wirklich? Was machst du da, Kalle?!
Kalle: Ich... ich wollte bloss mal sehen, ob noch Spuren von den Kerlen übrig sind, die hier im Gefängnis gesessen haben.
Eva-Lotte: Seitdem sind hier ja so viele Menschen gewesen, du Dummerjahn.
Anders: Onkel Einar, du weisst vielleicht nicht, dass Kalle Detektiv ist.
Einar: Du lieber Himmel, nein, das wusst ich nicht.
Anders: Ja, wirklich. Einer der besten, die es im Augenblick gibt.
Kalle: Red keinen Unsinn, Anders. Einer der besten bin ich sicher nicht. Aber ich finde, es macht Spass sich damit zu beschäftigen. Mit Schurken, die im Gefängnis landen. Da ist doch nichts dabei.
Einar: Absolut nicht, mein Junge. Ich hoffe, du fängst bald einen ganzen Haufen, den du zusammenbinden und zur Polizei schicken kannst. (lacht lauthals)
Anders: Das wird Kalle nie gelingen. Bei uns gibt es nämlich keine Spitzbuben.
Einar: So. Na, dann wollen wir jetzt wieder nach oben gehen. Schritte auf Holzboden Ziemlich feucht hier unten. Das ist nicht gut für meine alten Knochen. gehen die Stufen hinauf. Eine Tür knarrt. Ein Schlüsselbund klirrt. Soo! Die Tür ist wieder zu. Und nun noch etwas. Wir sind nicht hiergewesen, versteht ihr? Kein Gerede!
Eva-Lotte: Was? Wir dürfen nicht davon reden?
Einar: Nein, meine schöne, junge Dame. Das ist ein Staatsgeheimnis. Und vergiss es nicht! Sonst kneif ich dich wieder!
Eva-Lotte: Das sollst du bloss wagen!
Einar: Ob ich versuche, mich ein bisschen beliebt zu machen? Was meint ihr? Soll ich euch zu Limonade und Kuchen in den Konditoreigarten einladen?
Eva-Lotte: Au fein. Manchmal machst du ganz vernünftige Vorschläge, Onkel Einar.
Erzähler: In der Konditorei bestellte Onkel Einar eine grosse Platte mit Kuchen und drei Flaschen Saft. Und Kalle musste vom nächsten Kiosk die neuste Ausgabe der Stockholmer Zeitung holen. Onkel Einar blätterte sie schnell durch, bis er zur der letzten Seite kam. Dort vertiefte er sich in einen Artikel. Mehr schien Onkel Einar nicht zu interessieren. Die Zeitung blieb auf dem Tisch liegen, als sie die Konditorei wieder verliessen. Auf der Hauptstrasse kam ihnen Schutzmann Björk entgegen.
Vogelgezwitscher.
Eva-Lotte: Hallo, Onkel Björk.
Björk: Naaa? Bist du noch nirgends runtergefallen und hast dir das Genick gebrochen?
Eva-Lotte: Noch nicht ganz. Aber morgen will ich auf den AUssichtsturm im Stadtpark klettern. Vielleicht wird es da was. Natürlich nur, wenn sie nicht kommen und mich runterholen.
Björk: Ich will es versuchen.
Einar: So, so, so, so. Eva-Lotte. Du bist mit der Polizeimacht liiert.
Eva-Lotte: Ist sie nicht zum sterben schick?
Einar: Wer? Iiich?
Eva-Lotte: Nein! Der Schutzmann Björk natürlich.
Einar: So, Kinder. Hier wollen wir uns verabschieden. Ich gehe hier mal rein. Auf Wiedersehen solange. Tür offnet und schliesst. Ein Türglöckchen klingelt zweimal
Eva-Lotte: Schön, dass er weg ist.
Anders: Da hast du recht. Wenn er uns auch mit Kuchen traktiert. Was Richtiges wird er doch nicht. Wenn er sich die ganze Zeit an uns hängt.
Kalle: Ich möchte wissen, was Onkel Einar in dem Eisenwarengeschäft kauft.
Anders: Warum willst du das wissen, Kalle?!
Kalle: Och, reine Routinearbeit. Aber man kann eine ganze Menge von einem Menschen erfahren, wenn man weiss, was er in Eisenwarengeschäften kauft. Da! Seht mal!
Eva-Lotte: Onkel Einar kauft eine Taschenlampe.
Kalle: Das ist verdächtig!
Anders: Wieso?
Kalle: Wozu braucht man mitten im Sommer eine Taschenlampe?
Anders: Vielleicht liest er abends heimlich im Bett.
Kalle: Bei Onkel Einar hat fast die ganze Nacht Licht gebrannt.
Eva-Lotte: Was du nicht alles weisst, Kalle.
Kalle: Und da ist noch etwas!
Anders: Was denn?
Kalle: Die Zeitung!
Anders: Was für eine Zeitung?!
Kalle: Die ich vom Kiosk geholt habe.
Anders: Was ist daran merkwürdig?!
Kalle: Er hat nur einen Artikel auf der letzten Seite gelesen!
Eva-Lotte: Das tut mein Vater auch oft.
Kalle: Ich möchte wissen, was in dem Artikel stand.
Anders: Warum?
Kalle: Och, reine Routinearbeit.
Anders: Heh, wo willst du hin?
Kalle: (entfernt sich) Die Zeitung holen. Onkel Einar hat sie auf dem Tisch liegen lassen.
Erzähler: Die Zeitung lag noch auf dem Tisch. Kalle nahm sie und steckte sie unter sein Hemd. Er wollte sie aufheben. Selbst, wenn er jetzt nicht herauskriegen konnte, was Onkel Einar so eifrig gelesen hatte, dann konnte sie vielleicht später einen Hinweis geben. Meisterdetektiv Blomquist ging nach Hause und goss die Erdbeeren. Er war kaum mit seiner Arbeit fertig, als Onkel Einar plötzlich vor ihm stand.
Einar: Was sehe ich da, Kalle. Du bist nicht nur Detektiv, sondern auch Gärtner?
Kalle: Die Erdbeeren giesse ich nur, weil Mutter es mir aufgetragen hat.
Einar: Wenn ich mich nicht irre, hast du es für heute geschafft.
Kalle: Ja. Für heute bin ich fertig.
Einar: Dann könntest du mir einen Gefallen erweisen.
Kalle: Schon wieder? Ich habe ihnen doch gerade erst die Zeitung geholt.
Einar: Jetzt sollst du zieht einen Brief hervor diesen Brief für mich zur Post bringen.
Kalle: Gut. Geben sie her.
Einar: Genau wie ein Pfadfinder. Immer bereit. Ich danke dir, mein Junge.
Erzähler: Bevor Kalle den Brief in den Briefkasten warf, notierte er sich die Adresse. Er schrieb sie mit einem Bleistiftstummel in sein Notizbuch, wie es sich für einen Detektiv gehörte. Auch in der folgenden Nacht wurde Kalle von den Mücken geweckt und das war sein Glück. Wer weiss, ob er sonst beobachtet hätte, wie Onkel Einar mitten in der Nacht sein Giebelzimmer über die Feürleiter verliess. Natürlich gehörte es zu den Pflichten eines Detektivs, Onkel Einar nachzugehen, um zu sehen, was er mitten in der Nacht vorhatte. Aber, so schnell Kalle auch handelte, als er die Hauptstrasse erreichte, hatte sich Onkel Einar in Luft aufgelöst.
Kalle: So eine Pleite. Katzengejammer im Hintergrund Möchte wissen, warum einer aus dem Fenster und über die Feürleiter klettert, wenn er hübsch gemütlich über die Treppe gehen kann. Das ist wirklich mystisch. Schlusssatz Nummer 1: Er will nicht, dass jemand im Hause hört, dass er ausgeht. Schlusssatz Nummer 2: Er hat etwas unheimliches vor.
Björk: Nanu?! Bist du das, Kalle?! Was machst du denn hier draussen, mitten in der Nacht?
Kalle: Haben sie einen Mann hier vorbeigehen sehen, Onkel Björk?
Björk: Einen Mann? (lacht kurz) Nein, hier war ausser dir kein Mensch zu sehen. Na, nu geh eiligst nach Hause und ins Bett, mein Junge. das würd' ich auch tun, wenn ich dürfte.
Erzähler: Am nächsten Tag hatte Kalle Glück. Er fand den Dietrich, der Onkel Einar unbemerkt aus der Tasche gefallen war. Eigentlich hätte Kalle den Dietrich zurückgeben müssen. Stattdessen steckte er ihn in seine Hosentasche. Für alle Fälle. Darauf ging Kalle noch einmal zur Schlossruine. Eigentlich nur, um den Dietrich auszuprobieren, aber er erlebte eine Ueberraschung.
Kalle: (seine Stimme tönt im Echo) Jetzt schlägts dreizehn! Gibt es Geister, denen die Schrift an der Wand nicht gefällt? Gestern habe ich hier meinen Namen eingeritzt und heute ist die Schrift verschwunden. Jemand hat sie ausgestrichen, aber warum? Das kann nur Onkel Einar gewesen sein. Natürlich! Er wollte nicht, dass irgendjemand erfährt, dass wir im Keller waren. Also ist er in der letzten Nacht hier gewesen. Aber warum? Nur, um den Namen auszustreichen? Nanu? Was ist das?
Erzähler: Kalle hatte am Fusse der Treppe etwas entdeckt. Als er den kleinen weissen Gegenstand aufhob, stellte er fest, dass es eine weisse, schimmernde Perle war. Wenig später lag Kalle auf dem Rücken unter dem Birnbaum. Er wollte denken, und das ging am besten in dieser Stellung. Und er sprach laut vor sich hin. Auch das begünstigte den Denkvorgang.
Kalle: Vogelgezwitscher und Insektensummen im Hintergrund Wie kommt die Perle in den Keller der Schlossruine. Das möchte ich wissen. Es ist natürlich möglich, dass die Perle schon seit Gustav Wasers Zeiten dagelegen hat, weil irgendein nachlässiges, adliges Huhn in den Keller gegangen ist, um eine Flasche Bier zu holen, und dabei seine Perlenkette verloren hat. Aber kann man das annehmen? Ein Detektiv muss immer mit dem Wahrscheinlichen rechnen. Und wahrscheinlich ist, dass die Perle nicht seit Gustav Wasers Zeiten dagelegen hat. Denn da hätte sie doch wohl schon einer vor mir gefunden. Ein Karren rollt vorbei Ausserdem hätte ich die Perlen dann schon gestern entdeckt. Bei meinem ersten Besuch. Was für einen Schluss können wir also daraus ziehen? Onkel Einar hat die Perle bei seinem nächtlichen Besuch in der Schlossruine verloren. Klar!!! Das ist es!! Ein Wagen wir gestartet und fährt alsbald fort Bleibt die Frage, hat man Onkel Einar, mit einer Perlenkette geschmückt, gesehen? Läuft einer, von Perlen und Edelsteinen glitzernd, herum? Nein, das tut er nicht. Aber ich gehöre nicht zu denen, die jemanden nur aufgrund von In... In... Indizien verurteilen. Sehen wir nach, was bisher gegen ihn vorliegt. blättert in seinem Notizbuch Da wäre zürst die Personalbeschreibung. Und hier. Was steht hier? Korrespondiert mit Fräulein Lola Helberg, Stockholm P.R. Das bedeutet Posta Restante und das heisst, der Adressat soll selber den Brief von der Post holen. Warum wohl? Das ist verdächtig. Schreiben wir als "verdächtige Umstände" noch dazu. Stattet nächtlichen Besuch in der Schlossruine ab. Verliert Perle.
Anders: (schnauft) Also hier steckst du, Kalle. Wir suchen dich schon überall.
Kalle: (verbluefft) Wer sucht mich.
Anders: Eva-Lotte und ich. Höchste Zeit, das etwas geschieht. Wir können nicht den ganzen Sommer rumlaufen und die Beine hinter uns nachziehen.
Kalle: Keine Angst. Ich bin fast sicher, dass bald etwas passiert.
Musik
Erzähler: Kalle hatte etwas vor. Natürlich war die Sache nicht ohne Risiko, aber ein Detektiv muss etwas wagen. Ausserdem war die Gelegenheit günstig. Kalle hatte gehört, dass Onkel Einar ein Schlafpulver nehmen wollte, um endlich einmal besser schlafen zu können. Kalle wollte nämlich Onkel Einar in seinem Giebelzimmer einen nächtlichen Besuch abstatten. Wenn man eine verdächtige Person gefunden hat, genügt keine Personalbeschreibung, dann braucht man einen Fingerabdruck. Und einen Fingerabdruck von Onkel Einar wollte sich Kalle in dieser Nacht besorgen. Es war lange nach Mitternacht, als Kalle die Feürleiter zu Onkel Einars Giebelzimmer hinaufkletterte. Papier und ein Stempelkissen, zwei Dinge, die man unbedingt braucht, wenn man einen Fingerabdruck machen will, hatte er bei sich.
Einar: (schnarcht laut)
Erzähler: Onkel Einar schlief und wachte nicht auf, als Kalle leise in das Zimmer stieg. Die rechte Hand des Schläfers hing schlaff an der Bettkante herunter. Der Daumenabdruck war reine Routinearbeit. Aber dann fuhr Onkel Einar plötzlich hoch.
Einar: Hände hoch!
Kalle: (schnauft) Nicht schiessen!
Einar: Komm näher! Schritte. Dielen quietschen.Was denn! Du bist es, Kalle? Was in aller Welt suchst du hier? Rede! Na wird's bald!
Kalle: (schnauft) Ich... ich weiss nicht, wie ich hierher gekommen bin. Ich habe doch wohl nicht wieder angefangen, im Schlaf umherzugehen. Ach, jetzt fällt mir wieder ein. Ich hab ja von dir geträumt, Onkel Einar. Entschuldige, dass ich dich gestört habe. (entfernt sich)
Einar: Jaja, mein lieber Meisterdetektiv. Ich glaube, es sind alle deine Detektivideen, die dich im Schlaf umherwandern lassen. (steigt stöhnend aus dem Bett) Bitte deine Mutter, dass sie dir etwas Brom gibt, bevor du schlafen gehst. Du wirst sehen, das hilft. So! Und jetzt ist es wohl am besten, ich begleite dich hinaus.
Erzähler: Am nächsten Morgen erfuhr Kalle, warum Onkel Einar trotz seines Schlaftrunks aufgewacht war. Frau Lisander hatte vergessen, ihm das Schlafpulver zu geben. Kalle war um eine Erfahrung reicher. Man konnte sich auf niemand verlassen. Nicht einmal auf die Mutter seiner besten Freundin. Später machte Kalle in seinem Notizbuch einen kleinen Nachtrag. Er schrieb unter die anderen Angaben über Onkel Einar:
Kalle: Besitzt einen Revolver. Musik setzt ein Schläft mit ihm unter dem Kopfkissen.
Ende der Seite 1
Musik
Erzähler: Anders und Eva-Lotte wünschten, dass Onkel Einar wieder abreisen möchte, aber Kalle sah mit Schrecken dem Tag entgegen, da der Schurke den Koffer packen würde. Das er ein Verbrecher war, daran zweifelte Kalle keinen Augenblick und es wäre sehr ärgerlich gewesen, wenn Onkel Einar verschwinden würde, ohne dass Kalle dahintergekommen war, was für eine Art Verbrecher er eigentlich war. Anders und Eva-Lotte interessierten sich nicht eine Spur für die Bekämpfung von Verbrechen. Sie gingen umher und langweilten sich. Zum Glück gab es noch den Schutzmann Björk, den Kalle eines abends auf der Hauptstrasse traf.
Fahrzeugverkehr
Kalle: N'abend.
Björk: N'abend Kalle. Na? Noch so spät unterwegs?
Kalle: Soll meiner Mutter eine Zeitung holen. Am Kiosk gibt's keine mehr. Jetzt versuch ich's beim Hotelportier.
Björk: Na denn, viel Glück.
Kalle: Onkel Björk.
Björk: Mnja?
Kalle: Onkel Björk. Wenn man glaubt, dass ein Mensch ein Schurke ist. Was macht man da?
Björk: Na, ihm eins auf's Maul geben. (lacht leise)
Kalle: Ich meine, wenn er ein Verbrechen begangen hat.
Björk: Ihn festnehmen natürlich.
Kalle: Und wenn man es nur glaubt und nicht beweisen kann?
Björk: Ihn überwachen, was das Zeug hält. (lacht laut auf) Du pfuschst mir ins Handwerk.
Kalle: Ich pfusche gar nicht.
Björk: Na, also, dann mach mal inzwischen hier die Arbeit für mich. Ich muss jetzt runter zum Bahnhof.
Erzähler: Auch Kalle ging weiter. Vor dem Hotelportal stand ein schwarz lackierter Ford mit einer stockholmer Nummer. Kalle betrachtete ihn forschend. Dann betrat er die Hotelhalle. Der Portier war im Augenblick beschäftigt, sodass Kalle warten musste. Vor der Portiersloge standen zwei Herren.
Gespräche im Hintergrund
Redig: Können sie mir sagen, ob ein Herr Brahne hier im Hotel wohnt. Einar Brahne.
Portier: Nein, der Herr wohnt nicht bei uns.
Krog: Sind sie ganz sicher?
Portier: Ja, natürlich!
Krog: Auch keiner, der Einar Lindeberg heisst?
Portier: Bedaure.
Kalle: Aeh, mmh.
Portier: Ja, gib... was willst du, mein Junge?
Kalle: Haben sie noch eine Abendzeitung?
Redig: Herr Portier, äh, können wir ein Doppelzimmer bekommen?
Portier: Oh, bitte sehr. Nummer 34 ist frei. Es wird ihnen sicher zusagen. Wie lange bleiben die Herren?
Redig: Es kommt darauf an. Ein paar Tage, vielleicht auch länger.
Portier: Also, wenn sie sich bitte hier eintragen wollen, ja? So, mein Junge, da hast du deine Abendzeitung.
Kalle: Danke.
Portier: Bitte, bitte, ich bekomm noch zwanzig Oere.
Kalle: (lacht verschämt) Entschuldigen sie. Hier, bitte.
Portier: Ja, äh, ihre Zimmerschlüssel, meine Herren.
Kalle: Mann Kalle. Beinah hättest du dich verraten. Einar Lindeberg. Das ist Onkel Einar. Die beiden suchen ihn also. Personalbeschreibung: Reine Routinearbeit. Der eine ist blass, der andere sieht unheimlich aus. kritzelt in seinem Notizbuch Wenn das keine Schurken sind, dann bin ich der Erzengel Gabriel. Was sie von Onkel Einar wollen? Pst, sie kommen.
Redig: Na? Was ist?
Krog: Er muss hier sein. Wenn nicht im Hotel, dann wohnt er irgendwo privat.
Redig: Und wenn er längst auf und davon ist?
Krog: Davon kann keine Rede sein. Ich habe den Brief an Lola gesehn. Auf dem Poststempel stand ganz deutlich Kleinköpping.
Portier: Aeh, kommen sie, meine Herren. Ich führe sie auf ihr Zimmer. Bitte sehr. Schritte entfernen sich
Kalle: (prustet) Lola. Lola Helberg. Der Name stand auf dem Brief, den Onkel Einar geschrieben hat. Musik setzt ein Ich bin also auf der richtigen Spur.
Erzähler: Kalle wartete, bis der Portier mit den beiden Männern verschwunden war. Die Portiersloge war jetzt leer. Kalle schlug das Fremdenbuch auf und schaute hinein. Die beiden Männer waren aus Stockholm. Der unheimliche, der sich zürst eingetragen hatte, hiess Tore Krog. Der blasse, Ivar Redig. Kalle zog sein Notizbuch hervor und trug sorgfältig Namen und Personalbeschreibung seiner neün Bekannten ein. Er schlug auch Onkel Einars Seite auf und notierte:
Kalle: Nennt sich wahrscheinlich mitunter Brahne.
Musik
Erzähler: In den nächsten Tagen war Onkel Einar auffallend unruhig. Jede Bewegung, die er machte verriet Ungeduld und Missvergnügen. Sein Gesicht hatte einen solchen Ausdruck von Ratlosigkeit und Unlust, dass er Kalle, der ihn heimlich beobachtete, beinahe leid tat. Den Verdächtigen ständig überwachen, hatte Schutzmann Björk gesagt, und Kalle befolgte diesen Rat. Von der Höhe eines Ahornbaumes beobachtete er Onkel Einar, der unruhig auf dem Gartenweg hin und herging. Vogelgezwitscher setzt ein Plötzlich tauchten an der Gartenpforte die beiden Männer aus dem Hotel auf. Onkel Einar schien gar nicht erfreut, ganz im Gegensatz zu Ivar Redig.
Redig: Sieh da! Ist das nicht unser lieber alter Einar. Endlich haben wir ihn gefunden.
Krog: So eine Ueberraschung. Einar, wie er leibt und lebt.
Redig: Ich glaube, du freust dich gar nicht, uns wiederzusehen.
Einar: Aeh, doch, natürlich freu ich mich, aber ihr kommt so unerwartet.
Redig: Wirklich? (lacht heiser)
Krog: (lacht schrill)
Redig: Ja, du hast vergessen, eine Adresse zu hinterlassen, als du verschwommen bist.
Krog: Aus Zerstreutheit natürlich.
Redig: Glücklicherweise hast du einen Brief an Lola geschrieben. (lacht heiser)
Krog: Lola ist ein verständiges Mädchen.
Redig: Wenn man ernsthaft mit ihr redet. (lacht heiser)
Krog: (lacht schrill)
Einar: Was hast du mit Lola gemacht, du... du...
Redig: Nicht doch, nicht doch. Reg dich nicht auf. In seinen Ferien braucht man Ruhe und Erholung. Es ist doch wohl ein kleiner Ferienausflug, oder?
Einar: Naja, bin hierher gefahren, um mich ein bisschen auszuruhen.
Redig: Kann man verstehen. Nicht wahr, Tore? (lacht heiser) Er hat in der letzten Zeit hart gearbeitet.
Krog: (lachend) Stimmt.
Einar: Was wollt ihr eigentlich.
Redig: Du weisst verdammt gut, was wir wollen!
Krog: Komm mit auf eine kleine Autofahrt. Dann können wir die Sache in Ruhe besprechen.
Einar: Ich habe nichts mit euch zu besprechen.
Redig: Vielleicht jetzt.
Einar: Steck den Revolver weg, sonst...
Krog: (lachend) Sonst rufst du die Polizei, was?
Redig: Nein, Einar. Das wirst du hübsch bleiben lassen. Du hast ebensowenig wie wir ein Interesse daran, die Polizei hineinzuziehen.
Krog: Du hast dir alles gut ausgedacht. Das muss man dir lassen, Einar.
Redig: Eine kurze Zeit Ferien, hier im tiefsten Inkognito, bis sich die schlimme Aufregung gelegt hat. Viel schlaür als sofort ins Ausland zu gehen.
Krog: Aber du bist doch nicht schlau genug gewesen. Es lohnt sich nicht, seine Teilhaber zu hintergehen.
Redig: So war's nicht gemeint, dass drei sich die Arbeit machen und einer die ganze Pinke für sich behält.
Krog: Also, kommst du jetzt mit? Oder sollen wir dir eine Kugel in den Bauch jagen.
Einar: Du willst wohl gern wieder ins Kitchen zurück, was? Schiess nur und in fünf Minuten hast du die Polizei hier. Was gewinnt ihr damit? Nichts!
Redig: Einar hat recht.
Einar: Also tu das kleine Spielzeug da weg und lass uns vernünftig miteinander reden. Wenn ihr euch anständig benehmt, bin ich vielleicht bereit zu teilen.
Redig: Dein Edelmut übersteigt alle Grenzen.
Eva-Lotte: (ruft) Hallo, Onkel Einar.
Einar: Gut, dass du kommst, Eva-Lottchen. Ich wollte gerade reingehen und sehen, ob Mutter das Mittagessen fertig hat. Komm, wir gehen zusammen. Auf wiedersehen, Freunde, ich muss jetzt leider gehn.
Redig: Auf wiedersehen, lieber alter Einar. Wir treffen uns bald wieder. Da kannst du sicher sein.
Eva-Lotte: Onkel Einar. Willst du deine Freunde nicht bitten, mit hereinzukommen, und mit uns zu essen?
Einar: Ich glaube nicht, dass sie Zeit haben.
Redig: Ein ander Mal, kleines Fräulein.
Einar: Komm, Eva-Lottchen.
Eva-Lotte: (singt) Es war einmal ein Mä-hädchen und die hiess Josefin, Josefinfinjosefin, Jooseefiin.
Erzähler: Kalle atmete auf, als alle verschwunden waren. Vorsichtig verliess er sein Versteck. Ihm fiel der Zeitungsartikel wieder ein, aus der Stockholmer Zeitung. Nach dem belauschten Gespräch konnte es nicht schwer sein, den richtigen herauszufinden. Es war reine Routinearbeit, nicht mehr. Als Kalle den Artikel gelesen hatte, setzte er sich hin und schrieb einen Brief.
Kalle: Schreibgeräusch An die Kriminalpolizei Stockholm. Wie aus der Zeitung hervorgeht, scheint dort ein Einbruch in der Banähr Strasse geschehen zu sein. Nachdem sie sich vielleicht ein paar Fingerabdrücke gesichert haben, schicke ich hiermit einen Dito in der Hoffnung, dass er mit einem von ihren übereinstimmt. Weitere Erklärung liefert gratis und franko Karl Blomquist, Privatdetektiv. Papiergeraschel und Schreibgeräusch Adresse: Hauptstrasse 14, Kleinköpping. Soll ich das wirklich schreiben? Privatdetektiv? Ja, das muss sein, sonst werfen sie meinen Brief in den Papierkorb. So. Papiergeraschel Fertig. Und jetzt in den Briefkasten damit. Und dann schnell zu Anders und Eva-Lotte.
Musik
Anders: Vogelgezwitscher Heh, Kalle, da bist du ja endlich.
Eva-Lotte: Wo hast du denn so lange gesteckt?
Kalle: (ausser Atem) Ich möchte dich etwas fragen, Eva-Lotte.
Eva-Lotte: Was willst du wissen.
Kalle: Du hast Onkel Einar furchtbar gern, nicht wahr?
Eva-Lotte: Warum soll ich ihn gernhaben? ein Kuckuck
Kalle: Er ist doch der Vetter deiner Mutter.
Eva-Lotte: Was das betrifft, ich glaube nicht, dass meine Mutter ihn besonders gern hat. Und ich auch nicht.
Kalle: Da wirst du nicht böse sein, wenn ich dir sage, dass Onkel Einar ein Verbrecher ist.
Anders: Hör auf, Kalle.
Eva-Lotte: Verschon uns mit deinen Detektivgeschichten.
Kalle: Hier, Anders. Liess das, bevor du weiterredest.
Anders: (liest) Ein grosser Juwelendiebstahl auf Oestermalm. Sowas steht fast alle Tage in der Zeitung, was soll das?
Kalle: Das ist der Zeitungsartikel, den Onkel Einar in der Konditorei gelesen hat.
Anders: Na und?
Kalle: Lies nur weiter.
Anders: (liest) Ein frecher Einbruch fand in der Nacht zum Sonnabend in einer Wohnung in der Banähr Strasse statt.
Kalle: Erinnert euch. Onkel Einar kam am Sonnabend mit dem Sechs-Uhr-Zug.
Eva-Lotte: Lies weiter, Anders.
Anders: (liest) Man nimmt an, dass mindestens zwei oder drei Personen an dem Diebstahl beteiligt sind.
Kalle: Es waren drei!
Eva-Lotte: Woher willst du das wissen, Kalle.
Kalle: Onkel Einar und zwei Männer, die sich Redig und Krog nennen. Du kennst sie, Eva-Lotte. Es sind die beiden Männer, die Onkel Einar besucht haben.
Eva-Lotte: Bist du sicher?
Kalle: Lass Anders erst zu Ende lesen.
Anders: (liest) Die Juwelen, die einen Wert von ungefähr hunderttausend Kronen haben, gehören dem Stockholmer Bankier Ostberg. Die Kriminalpolizei hat alle Polizeistationen im Lande benachrichtigt.
Kalle: Na? Was sagt ihr jetzt.
Eva-Lotte: Eine tolle Geschichte.
Anders: Onkel Einar ein Juwelenräuber.
Kalle: Und die Juwelen sind in der Schlossruine.
Anders: Woher weisst du das?
Kalle: Das kann man sich zusammenreimen. Bei einem Kriminalfall muss man mit dem Wahrscheinlichen rechnen.
Eva-Lotte: Onkel Einar schläft. Er hat sich nach dem Essen hingelegt.
Kalle: Dann ist die Gelegenheit günstig.
Anders: Was für eine Gelegenheit?
Kalle: Wir gehen zur Schlossruine und heben den Schatz.
Anders: Vorwärts, worauf warten wir noch.
Kalle: Wir brauchen eine Hacke und einen Spaten.
Anders: Die besorg ich.
Eva-Lotte: Endlich haben wir was vor.
Anders: (singt) Mit Hacke und mit Spaten, so ziehn wir fröhlich aus...
Kalle: Wenn wir jemand treffen, dann sagen wir, dass wir nach Regenwürmern graben wollen.
Anders: Gute Idee.
Kalle: Alles klar?
Anders: Nein, etwas haben wir vergessen.
Kalle: So? Was denn?
Anders: Wie kommen wir in den Keller hinunter?
Kalle: Damit!
Eva-Lotte: Du hast den Dietrich?
Kalle: Ein Detektiv muss an alles denken.
Anders: Mann, Kalle, du bist grosse Klasse.
Kalle: Los, beeilt euch. Erst holen wir Hacke und Spaten und dann gehen wir zur Schlossruine.
Musik
Erzähler: Kalle, Anders und Eva-Lotte platzten vor Tatendrang. Aber das änderte sich, nachdem sie zwei Stunden vergeblich im Keller der Schlossruine gegraben hatten. Anders legte enttäuscht den Spaten fort.
Anders: Anders, Kalles und Eva-Lottes Stimmen hallen wieder Also, wenn ihr mich fragt, ich hab niemals irgendwo so wenig Diamanten gesehen wie hier.
Kalle: Du kannst doch wohl nicht erwarten, dass wir sie sofort finden.
Eva-Lotte: An welcher Stelle hast du die Perle gefunden, Kalle?
Kalle: Dort bei der Treppe. Aber da haben wir ja alles umgegraben.
Anders: Stimmt. Der Fussboden sieht jetzt wie ein besseres Kartoffelfeld aus.
Eva-Lotte: verschiebt einen Stein Seht mal. Die Steinplatte ist lose. Man kann sie zur Seite schieben.
Kalle: Komm, Anders. Grab hier.
Anders: sticht den Spaten mehrfach in den Boden und klopft auf etwas rum Da ist was.
Kalle: Ein Blechkasten.
Eva-Lotte: Schnell. Holt ihn raus!
Kalle: Nun schlägts dreizehn. Das ist der gleiche Kasten, den ich habe.
Eva-Lotte: Onkel Einar hat ihn bestimmt in dem Eisenwarengeschäft gekauft, zusammen mit der Taschenlampe.
Anders: Beeil dich. Ich will sehen, was drin ist.
Kalle: Wenn es der gleiche Kasten wie meiner ist, dann passt vielleicht mein Schlüssel. Schlüssel klimpern Ja. Er passt!
Anders: Los, mach den Deckel auf!
Eva-Lotte: Oh, nein, das ist ja wie... wie...
Anders: Wie in tausend und einer Nacht.
Kalle: Ja. Also so sieht das aus. Smaragden und Platin.
Anders: Hundertausend Kronen. Mann, das ist beinah unheimlich.
Eva-Lotte: Seht mal, seh ich Tür öffnet knarrend nicht aus wie die Königin von Saba?
Anders, Kalle und Eva-Lotte erschrecken
Einar: Verdammte Gören. Ich hab es ja geahnt.
Eva-Lotte: Onkel Einar.
Einar: Ich glaube, ich komme gerade noch im richtigen Augenblick. Her mit dem Kasten! Das könnte euch so passen, damit zur Polizei zu gehen. Aber das Zeug gehört mir, mir ganz allein.
Krog: Mein lieber, guter alter Einar. Wie kann man nur so vergesslich sein.
Redig: Ich fürchte, das nimmt nochmal ein schlimmes Ende.
Einar: Was wollt ihr?! Ihr habt mir gerade noch gefehlt.
Redig: Ich glaube, wir kommen gerade in einer Familienfestlichkeit. (Redig und Krog lachen laut) Der Kinderfreund Einar im Kreise seiner Lieben. Schluss jetzt! Her mit dem Schmuck!
Einar: Natürlich. Natürlich bekommst du den Schmuck. Ich wollte ihn gerade holen, um ihn euch zu geben. Also, steck den Revolver weg. Ich bin einverstanden. Ich teile mit euch.
Redig: Endlich wirst du verneunftig.
Krog: Wurde auch höchste Zeit.
Einar: Nun zu euch, ihr verdammten Gören. Hätte ich euch bloss die Hälse umgedreht, solange noch Zeit war.
Redig: Wir wollen keinen Aerger. Vergiss das nicht, Einar.
Einar: Dieser Bengel von einem Meisterdetektiv wollte zur Polizei gehen. Verpfeifen wollte er mich und die Belohnung kassieren.
Krog: Genug geredet, Einar.
Redig: Wir müssen verschwinden.
Einar: Tut mir leid, meine lieben Kinderchen. Wir müssen euch leider hier zurücklassen. Die Tür oben schliesse ich ab. Ihr könnt also nicht raus. Sobald wir in Sicherheit sind, schreibt eür lieber Onkel Einar und berichtet, wo ihr seit.
Krog: Zwei, drei Nächte im dunkeln werden den verdammten Bälgern nicht schaden.
Redig: Komm, Einar.
Einar: Leb wohl, Herr Meisterdetektiv. Ich glaube, es ist am klügsten, wenn du die Kriminalität in Zukunft an den Nagel hängst. Uebrigens, kann ich meinen Dietrich wiederhaben.
Kalle: Dietrich fällt laut auf den Steinboden Da haben sie ihn.
Einar: Wiedersehn Anders. Mach's gut, Eva-Lottchen. Grüss deine Mutter, rennen alle drei die Treppe hinauf falls ich keine Zeit mehr haben sollte, mich von ihr zu verabschieden. öffnen und verschliessen die Tür
Kalle: Es ist meine Schuld. Es ist ganz allein meine Schuld. Ich hätte euch nicht in diese Geschichte mit hinein ziehen sollen.
Eva-Lotte: Ach was. Schuld. Du konntest nicht ahnen, dass die Sache so laufen würde, Kalle.
Anders: Wir werden Hunger bekommen.
Eva-Lotte: Ich hab drei Brötchen.
Kalle: Damit halten wir eine Weile aus.
Anders: Und dann?
Kalle: Ohne Dietrich werden wir die Tür oben nicht aufkriegen. Aber vielleicht führt einer der Gänge hier ins Freie.
Anders: Wir können's ja versuchen. Immernoch besser als hier untätig herumsitzen.
Kalle: Ein Glück, dass wir die Taschenlampe haben.
Anders: Dann vorwärts!
Eva-Lotte: Wartet! Wir wollen erst die Brötchen essen.
Anders: Meinetwegen.
Kalle: Gut. Essen wir zürst. Danach machen wir uns auf die Suche. Musik setzt ein Mit vollem Magen geht das bestimmt besser
Musik
Erzähler: Etwa zur gleichen Zeit, als Kalle, Anders und Eva-Lotte einander an den Händen fassten und den Weg in das dunkle Höhlenlabyrinth antraten, bremste vor der Polizeistation ein Auto. Zwei Männer und zwei Polizisten sprangen heraus und stürmten eilig in die Revierstube.
Stenberg: Kriminalkommissar Stenberg aus Stockholm. Sagen sie, Schutzmann...
Björk: Schutzmann Björk. Was kann ich für sie tun, Herr Kommissar?
Stenberg: Aeh, Schutzmann Björk. Kennen sie hier in der Stadt einen Privatdetektiv Blomquist?
Björk: Privatdetektiv Blomquist. Nein. Nein, hab ich nie gehört.
Stenberg: Na, das ist aber merkwürdig. Er wohnt Hauptstrasse 14. Sehen sie selbst. Er hat mir diesen Brief geschrieben. händigt den Brief aus und Björk öffnet ihn
Björk: Ach, soo. (lacht lauthals) Das kann niemand anders sein, als mein Freund Kalle Blomquist. (prustet) Privatdetektiv. Sowas. Der ist ungefähr zwölf jahre alt, der Privatdetektiv. (lacht)
Stenberg: Sooo. Und wie erklären sie es sich dann, dass er uns einen Fingerabdruck schicken konnte, der haargenau mit dem übereinstimmt, den wir nach dem Einbruch in der Banähr Strasse festgestellt haben.
Björk: Ja also. Wenn ich ehrlich sein soll, das hätt ich Kalle nicht zugetraut. Aber ein heller Kopf ist er schon. Privatdetektiv. (lacht)
Stenberg: Dieser Kalle Blomquist ist der einzige, der uns jetzt weiterhelfen kann. Wir wissen, dass bei dem grossen Juwelendiebstahl mehrere Täter beteiligt waren. Aber wir konnten nur diesen einen Fingerabdruck sicherstellen. Nun möchte ich gern wissen, wem dieser Fingerabdruck gehört.
Björk: Tja, denn weiss ich keinen anderen Rat, als dass wir sofort hinfahren und Kalle fragen.
Stenberg: Und das auf dem schnellsten Wege.
Musik
Erzähler: Kommissar Stenberg hätte sich nicht so zu beeilen brauchen, denn Kalle war nicht zu Hause, sondern steckte mit Anders und Eva-Lotte noch immer im Keller der Schlossruine. Es war schwer, vorwärts zu kommen. Immerwieder versperrten grosse Steine den Weg. Es war feucht, glatt und kalt. Kalle leuchtete an den Steinwänden entlang, wo die Feuchtigkeit hervorsickerte. Wasser tropft hallend herab
Eva-Lotte: Die Aermsten, die hier früher mal eingesperrt waren.
Anders: Die haben wenigstens was zu essen bekommen.
Eva-Lotte: Heute sollte es bei uns Fleischklopse geben.
Anders: Hör auf!
Eva-Lotte: Am besten, wir kehren um.
Kalle: Nein, wir gehen diesen Gang hier bis zu Ende.
Eva-Lotte: Wir kommen doch nicht weiter. Plötzlich ist wieder Schluss. Genau wie bei den anderen Gängen.
Kalle: Heh, was ist das?
Anders: Eine Treppe! Eine Wendeltreppe!
Eva-Lotte: Bleib hier, Anders!
Kalle: Wo willst du hin?
Anders: stampft die Treppe hinauf Die Treppe rauf. Ich muss raus. Ich muss hier raus, ich halt's nicht mehr aus. dumpfes Poltern
Kalle: Heh, Anders. Was ist los?
Anders: Verschlossen. Der Ausgang ist mit Holz zugenagelt.
Kalle: So ein Pech.
Anders: Wir müssen es schaffen. Wir müssen das Holz herausschlagen.
Kalle: Das schaffen wir nicht.
Anders: Vielleicht mit einem Stein. Wartet. dumpfer Schlag Nocheinmal. Eins. Zwei. Drei. dumpfer Schlag und Holz splittert Der Ausgang ist frei, wir können raus. Kalle. Eva-Lotte. Kommt!
Kalle: Komm, Eva-Lotte. Wir müssen rennen die Treppe rauf so schnell es geht nach Hause. Und dann zur Polizei.
Musik
Erzähler: Zum hundertsten Male war der Lebensmittelhändler Blomquist vor die Tür gegangen, um Ausschau nach seinem Sprössling zu halten. Jetzt endlich sah er ihn um die nächste Ecke kommen, zusammen mit Anders und Eva-Lotte.
Herr Blomquist: Kalle. Wo bist du gewesen? Warum kommst du so spät? Habt ihr wieder etwas angestellt? Junge, du hast doch nicht schon wieder eine Fensterscheibe kaputt geschlagen.
Kalle: Lass mich, Vater. Ich muss sofort zur Polizei.
Herr Blomquist: Das weiss ich. Die Polizei sitzt bei uns zu Hause und wartet auf dich. Das wird kein Spass für dich werden, Kalle. Schutzmann Björk ist auch dabei.
Kalle: Onkel Björk. Onkel Björk.
Björk: Ja?
Kalle: Du musst sie sofort verhaften. Schnell, beeilt euch!
Björk: Oh, wen?
Kalle: Die Juwelendiebe! Sie sind eben mit dem Auto weggefahren!
Stenberg: Dann wollen wir keine Zeit verlieren. Mir nach! Wir nehmen die Verfolgung auf.
Musik
Erzähler: Sekunden später sassen sie in dem Polizeiauto. Kommissar Stenberg, Schutzmann Björk, zwei Polizisten und Kalle, Anders und Eva-Lotte. Das Polizeiauto sauste mit einer Fahrt nordwärts, die die gesetzestreün Bürger der kleinen Stadt entrüstet die Köpfe schütteln liess. Brummen eines fahrenden Autos Kalle gestikulierte wild und rief mit gellender Stimme:
Kalle: Einer ist blass und einer sieht unheimlich aus und einer ist Onkel Einar. Der blasse nennt sich Ivar Redig, aber er heisst bestimmt anders. Der unheimliche nennt sich Krog und Onkel Einar hat zwei Namen, Lindeberg und Brahne. Er schläft mit einem Revolver unter dem Kopfkissen und hat die Juwelen unter der Treppe in der Schlossruine vergraben. Als ich einen Fingerabdruck von ihm genommen habe, mitten in der Nacht, hatte ich Pech. Er wachte auf und bedrohte mich mit dem Revolver.
Polizist: Eine Weggabelung, Kommissar. Polizeiauto bremst quietschend bis zum Stillstand
Stenberg: Schutzmann Björk. Sie kennen doch die Wege hier. Welchen haben die Juwelenräuber genommen. Was glauben sie?
Björk: Ja, das kann... das kann man unmöglich sagen. Sie kommen zum grossen Kontinentalweg, ganz gleich, welche Strasse sie nehmen.
Kalle: Einen Augenblick! öffnet die Wagentür Der schwarze Ford, ich meine, schlägt die Wagentür zu das Auto der Juwelenräuber hat einen neün Reifen auf dem rechten Hinterrad. Ich habe mir das Muster abgezeichnet, als das Auto vor dem Hotel stand.
Björk: Ich habe das Auto auch gesehen, aber darauf wär' ich nie gekommen. Nie im Leben hätte ich das Reifenprofil abgezeichnet.
Kalle: Hier sind sie langgefahren!
Stenberg: Woher weisst du das?
Kalle: Man kann deutlich den Abdruck des Reifens auf dem weichen Sandboden sehen.
Stenberg: Los! Steig ein!
Kalle: öffnet und schliesst die Wagentür. Der Wagen fährt weiter.
Stenberg: Los, weiter!
Polizist: Nach links?
Stenberg: Ja, den linken Weg! Du bist ein kluger Junge, Kalle.
Kalle: Reine Routinearbeit. Weiter nichts.
Anders: Mann, ist das eine Geschwindigkeit. Geradezu lebensgefährlich.
Eva-Lotte: Schneller, als die Polizei erlaubt.
Kalle: Sieht aus, als ob wir fliegen.
Björk: Da! Vor uns! Ein Auto!
Kalle: Da sind sie! Ein schwarzer Ford!
Stenberg: Schneller! Wir müssen sie einholen!
Eva-Lotte: Noch schneller?
Kalle: Seht mal! Der Tachometer! Schüsse peitschen Hundertzehn Kilometer!
Eva-Lotte: Die schiessen! Schüsse peitschen erneut
Stenberg: Legt euch hin, Kinder! Schuss peitscht Legt euch auf den Boden! Schnell! Schuss peitscht
Kalle: Hört ihr die Kugeln pfeifen? Pfui Teufel, Schüsse peitschen wie die schiessen!
Stenberg: Björk, sie sitzen besser. Nehmen Schuss peitscht sie meinen Revolver und schiessen sie den Kerlen den Reifen kaputt. Los! Beeilen sie sich! Schuss peitscht Getroffen! Gut gemacht, Björk! Achtung, anhalten! Polizeiauto bremst quietschend bis zum Stillstand. Wagentür öffnet und schliesst Raus aus dem Wagen! Schnell! Bevor die Kerle aus ihrer Karre herauskommen. Ihr bleibt liegen, Kinder! Los, Björk, (entfernt sich) kommen sie!
Kalle: Mann, das muss man gesehen haben.
Eva-Lotte: Bleib liegen, Kalle!
Kalle: Ich soll mir den Schluss entgehen lassen? Nee!
Anders: Was ist los, Kalle, was machen sie?
Kalle: Onkel Björk und der andere Polizist halten ihre Revolver in Bereitschaft. Und der dicke Kommissar reisst die Autotür auf. Junge, wie die losschlagen. Jetzt kommt Redig, er hat einen Revolver. Peng. Jetzt bekommt er einen Schlag von Onkel Björk. Der Revolver fliegt ihm aus der Hand. Und da ist Onkel Einar. Er lässt sich widerstandslos festnehmen. Jetzt legen sie ihm Handschellen an. Dem Redig auch. Wo ist der dritte? Ah, jetzt ziehen sie ihn aus dem Auto. Er scheint ohnmächtig geworden zu sein. Du, das ist spannend. Und jetzt... wahrhaftig...
Anders: Hör auf. Hör auf. Wir haben auch Augen im Kopf. Können selber sehn, was draussen vorgeht. Da, seht mal, sie haben die Blechkiste gefunden.
Eva-Lotte: Was für eine Blechkiste?
Kalle: Wie kann man so vergesslich sein?!
Anders: Typisch Weib!
Kalle: Die Blechkiste mit den Juwelen. Damit ist der Fall endgültig abgeschlossen.
Musik
Erzähler: Hier irrte sich der Meisterdetektiv Blomquist, denn die Sache hatte noch ein Nachspiel. Der Bankier Ostberg stellte die zehntausend Kronen als Belohnung zur Verfügung und Kalles nächste Arbeit bestand darin, das viele Geld durch drei zu teilen. Am nächsten Tag konnte man in der Zeitung unter Ueberschrift "Meisterdetektiv Kalle Blomquist" die Photografie von Kalle und ein wenig darunter die Bilder von Eva-Lotte und Anders sehen. Und alle in Kleinköpping, in Stockholm Musik setzt ein und in ganz Schweden waren sich darin einig:
Schlussmelodie
Alle Diebe zittern, am Tage und zur Nacht,
sehn sich hinter Gittern und wer hat dies vollbracht:
alle Blomquist, der Meisterdetektiv,
Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv.
darum lasst die Finger von fremden Sachen weg!
Schon wartet der Bezwinger heimlich im Versteck.
Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv,
Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv.
Ende