Die "deutsche Grammophon GmbH",
eine der ältesten und bis zu Beginn des zweiten Weltkriegs führenden Tonträgerfirmen, wurde noch während der Kriegsjahre in ein Tochterunternehmen der "Siemens & Halske" umgewandelt. Da die Produktionsstätten dieser Unternehmen nach Beendigung des Krieges weitgehend erhalten geblieben waren, man aber trotzdem nach finanzkräftigen Partnern Ausschau hielt, verband die Dachorganisation, die "Siemens AG" im Jahre 1962 ihre Tonträgerinteressen mit denen des niederländischen Philips-Konzerns, der N.V. Philips Phonographischen Industrie.
Dies war die "Geburt" der Philips-Tonträger. Durch diesen Zusammenschluß gründeten die Unternehmen im Jahr 1965 die Firma "Phonogram", unter deren Namen von nun an Musikproduktionen vertrieben wurden. Für die Hörspiele gab es seinerzeit noch keinen großen Markt, wie später in den siebziger Jahren, so daß diese zunächst nur auf Single-Schallplatten unter dem Namen des niederländischen Partners "Philips" herausgebracht wurden.
Den Anfang machte man mit einer Reihe von Karl May-Hörspielen, da in etwa zur gleichen Zeit die bekannten Karl May-Verfilmungen mit Pierre Brice und Lex Parker ihre Uraufführung mit großem Erfolg erlebt hatten. Diese und diverse noch folgender Hörspiele, vor allem im Abenteuer-Bereich wurden von "Kurt Vethake" umgesetzt.
Weitere Single-Hörspiele, wie Märchen oder die Reihe des "Hohnsteiner Kaspers", der ebenfalls zeitgleich im Fernsehen in der Reihe "Kasper und René" zu sehen war, folgten. Im Jahr 1968 erschienen dann die ersten LP´s unter dem Namen "Philips" im Vertrieb der "Phonogram". Zunächst wurden die zuvor herausgebrachten Single-Hörspiele, wie z.B. die der Karl May-Reihe auf LP zusammengefaßt und neu aufgelegt.
Tatsächliche Neuerscheinungen ließen eine Zeit lang auf sich warten, man setzte auf die bereits bekannten und erfolgreich verkauften Single-Hörspiele... Etwa zur gleichen Zeit brachte Phonogram diverse "Sonderpressungen" von Hörspielen auf LP unter dem Namen "FASS" (Für alle Schallplattensammler) heraus. Diese beinhalteten die bereits unter dem Philips-Label herausgebrachten Single- und LP-Westernhörspiele aber auch Märchen- und Jugendgeschichten, wobei hier vor allem neuvertone Hörspiele wie "Die Maske des Mörders" oder "Fernando, der Tierfänger" von Eberhard Alexander Burg hervorstachen.
Fünf Jahre später, 1972, reorganisierten die beiden Elektrogiganten ihre Tonträgeraktivitäten in der gemeinsamen Holding PolyGram und vertrieben ihre Tonträger von nun an allesamt unter dem Label "Fontana". Die Umbenennung der Firma geschah mitten in einigen laufenden Serien, so daß z.B. die ersten drei Folgen der "Räuber Hotzenplotz" -Reihe noch das Philips-Label tragen, während die letzten drei bereits mit Fontana gekennzeichnet sind. Teile der Märchen- und Kinderliederserie des Sonderlabels FASS wurden unter dem Titel "Fontana-Auslese" mit farblich leicht veränderten Covern neu aufgelegt. Die früheren und späteren Auflagen von Philips und Fontana lassen sich recht gut durch die verschiedenen Logos unterscheiden :
Die frühen Philips-Logos haben einen schwarzen Hintergrund mit weißem Schriftzug, bei den späteren Veröffentlichungen verwendete man einen weißen Hintergrund mit schwarzer Schrift. Das Desgin an sich wurde nicht geändert. Die frühen Fontana-Werke stechen deutlich durch ein beinahe übergrosses Fontana-Logo hervor, welches jedoch nur in der Anfangszeit 1972-1974 verwendet wurde und die Zusätze "Stereo" und "Special" trägt. Als zweites Logo verwendete man ein ähnliches Motiv, das allerdings deutlich kleiner ausfiel und einen weißen Schriftzug auf einem schwarzen Hintergrund besitzt. Hiebei wurden bereits auf die Bezeichnung "Stereo" verzichtet, da es mittlerweile als selbstverständlich galt, Tonträger im Stereo-Format herauszubringen. Beim nachfolgenden Logo wurden die Farbzüge und das Design weitgehend beibehalten, nur die Bezeichnung "Special" wurde entfernt. Das letzt Logo wurde, wie beim Philips-Vorgänger, lediglich dahingehend verändert, daß die Farben umgekehrt wurden (weißer Hintergrund, schwarze Schrift).
Eine kleine Bildschau zur Entwicklung der Logos findet ihr im Special Nr.7 : DER HÖRSPIELSTAMMBAUM DER PHONOGRAM!
Das Sortiment von Fontana unterschied sich schon damals sehr stark von den großen Konkurrenten. Während Firmen wie z.B. Europa oder Maritim versuchten, nahezu jede Märchen- und Abenteuer-Geschichte zu vertonen, setzte Philips/Fontana auf die Umsetzung erfolgreicher Kinder- und Jugendliteratur sowie die Adaption von bekannten Fernsehserien und Kinderfilmen. Das Programm erstreckte sich von Klassikern der Augsburger Puppenkiste wie "Jim Knopf" und "Urmel aus dem Eis", über die mehrfach ausgezeichneten Kinderbücher von Astrid Lindgren mit "Pippi Langstrumpf", "Michel aus Lönneberga", "Kalle Blomquist", "Ferien auf Saltrokan" und "Wir Kinder aus Büllerbü", und Ottfried Preußlers Werken "Der Räuber Hotzenplotz" und "Die kleine Hexe" bis zu Vertonung von Johannes Mario Simmels "Weinen streng verboten" und "Ein Autobus, groß wie die Welt". Populäre Abenteuergeschichten von Jack London wie "Der Ruf der Wildnis" und "Der Seewolf" befanden sich ebenso im Programm wie "Robin Hood" oder der Mitschnitt des Science Fiction-Klassikers "Krieg der Sterne".
Mitte der Siebzigerjahre wurden auch diverse Zeichentrick-Serien aus dem Fernsehen umgesetzt. Darunter so erfolgreiche Produktionen wie "Wickie und die starken Männer", "Sindbad" oder "Barbapappa". Dies schlug sich vor allem im Preis nieder. Die Schallplatten und Kassetten waren vergleichsweise wesentlich teuerer als die der großen Konkurrenten und fanden nie dieselbe Auflagenhöhe wie z.B. die Produktionen von Europa oder Martim, die mit einem Stückpreis von 5 DM pro LP deutlich mehr Absatz fanden. Der relative hohe Verkaufspreis von 10-15 Mark pro Schallplatte wurde u.a. mit den Lizenzgebühren für die Vertonungen von bekannten Werken aus der Literatur und Fernsehwelt gerechtfertigt. Die "Sonderangebote" hatten häufig einen runden, goldenen Aufkleber mit der Aufschrift "Sonderpreis Nur 10.-DM oder nur 12,80 DM"...
Nichtsdestotrotz hatte Fontana bis zum Anfang der 80´er Jahr eine starke Marktpräsenz. In den Folgejahren wurde die Firmencooperation aufgekündigt und die Lizenzen für die entstandenen Hörspiele an die Fimen "Karrussel" und "Deutsche Grammophon Junior" weitergegeben...